Extremismusprävention in Zeiten des kollektiven Narzissmus
Dr. Uwe Kemmesies
Bundeskriminalamt
Bundeskriminalamt
Abstract:
Der Beitrag problematisiert die Herausforderungen der Extremismusprävention in Zeiten eines wieder erstarkenden kollektiven Narzissmus. Ausgangspunkt ist die Betrachtung von Radikalisierung als Ausdruck – als Symptom und nicht als Ursache – eines gestörten gesellschaftlichen Friedens. Auf Grundlage des theoretischen Konzepts vom positiven Frieden nach Galtung wird der Frage konkret nachgegangen, in welchem Bewusstsein wir Radikalisierung präventiv begegnen sollten, um den angesichts der Radikalisierung von gesellschaftlichen (Teil-)Gruppen offensichtlich gestörten gesellschaftlichen Frieden wieder herzustellen. Hierbei wird herausgearbeitet, dass die Prävention von gewaltbereiter Radikalisierung, von Extremismus – ganz entsprechend einem zumindest in der Fachwelt geteilten Common Sense – als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen ist. Die Bewältigung dieser Aufgabe aber muss bei den Subjekten beginnen bzw. wird nur dann erfolgreich umsetzbar sein, wenn die Gesellschaftsmitglieder mehrheitlich das Streben nach individueller Selbstbestimmung auch anderen zugestehen, d.h. auch Mitgliedern von Fremdgruppen. Dies zu vermitteln – so die These des Vortrags – ist eine basale, wenn nicht die zentrale Voraussetzung für eine gelingende Extremismusprävention und stellt in einer Gesellschaft, die sich auf einem kollektiven Ego-Trip befindet, eine große Herausforderung dar.
Dr. Uwe Kemmesies
Monday 23rd of June 2025
1:00 - 1:45 pm
Room: Raum 1 (Halle 1-A2)