Kongressprogramm

Validierung der MEIKs – ein Tool zur Risikoeinschätzung

Dr. Barbara Bergmann
Universität Bonn

Abstract:
Schutzfaktoren in die polizeiliche Einschätzung des Kriminalitätsrisikos junger Beschuldigter einzubeziehen, kann nicht nur Urteilsverzerrungen vorbeugen, sondern auch die Vorhersagekraft erhöhen.
Die Merkmale zur Einschätzung des individuellen Kriminalitätsrisikos (MEIKs) stellen das erste Instrument für die polizeiliche Jugendsachbearbeitung dar, welches eine ausgewogene und strukturierte Risikoeinschätzung ermöglicht, indem nicht nur Risiko- sondern auch Schutzfaktoren systematisch erfasst werden. Vorgestellt werden Befunde aus zwei Studien, welche die Vorhersagekraft der MEIKs in Kooperation mit der Polizei Niedersachsen (N = 43) und NRW (N = 124) prüfte. Die MEIKs wiesen eine signifikante Vorhersagekraft insbesondere für allgemeinen Rückfall innerhalb eines Jahres auf. Durch Hinzunahme der Schutzfaktoren verbesserte sich die Vorhersagegenauigkeit noch zusätzlich.
Die Befunde lassen außerdem vermuten, dass die Güte der Vorhersage von Alters-, Delikts- und Tätergruppe abhängig ist. Zukünftige Datenerhebungen in weiteren Bundesländern werden die Erkenntnislage zur Güte der MEIKs weiter ausbauen und verfestigen.
Dr. Barbara Bergmann
Dr. Barbara Bergmann

Dr. Barbara Bergmann studierte Psychologie an der Universität Kiel mit dem Schwerpunkt Rechtspsychologie und promovierte 2018 zum Thema „Expertise in der Kriminalprognose“. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Kriminologie der Universität Tübingen und sowie am Lehrstuhl für Kriminologie und Strafrecht der Universität Mainz tätig. Seit 2023 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung für Sozial- und Rechtspsychologie an der Universität Bonn. In Ihrer Forschung befasst sie sich u.a. mit Möglichkeiten der Vorhersage und der Prävention von delinquentem Verhalten bei Jugendlichen sowie mit Identitätsentwicklung im Desistanceprozess.

Dienstag, 24. Juni 2025
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