Kongressprogramm

GaTe-RAI: Risikoanalyseinstrument für Intimizide

Prof. Dr. Rebecca Bondü
Psychologische Hochschule Berlin
Dr. Kristin Göbel
Freie Universität Berlin
Tanita Rumpf
Psychologische Hochschule Berlin

Abstract:
Im Jahr 2023 wurde in Deutschland gut jeden zweiten Tag eine Person von ihrem:r (Ex-)Partner:in getötet. Die Prävention solcher Intimizide ist daher wichtig. Bislang werden zu deren Vorhersage meist Risikoanalyseinstrumente eingesetzt, die auf Risikofaktoren für häusliche Gewalt basieren. Intimiziden geht aber nicht immer Gewalt voraus, weswegen das Tatrisiko z.T. unterschätzt wird. Oft finden sich vor den Taten aber Tatankündigungen (Leaking) und andere Warnsignale, die in der Risikoeinschätzung für Intimizide bislang nur unzureichend berücksichtigt werden. Das „Risikoanalyseinstrument für Intimizide“ (GaTe-RAI) soll diese Lücke nun schließen. Um das Instrument zu entwickeln, wurden staatsanwaltschaftliche Ermittlungsakten systematisch analysiert und u.a. Informationen zu Leaking und weiteren Warnsignalen sowie potentiellen Tatauslösern in 79 Fällen von Intimiziden sowie 139 Fällen, in denen eine solche Tat angekündigt, aber nicht umgesetzt wurde, extrahiert.
Prof. Dr. Rebecca Bondü

Prof. Dr. Rebecca Bondü ist Professorin für Entwicklungs-, Pädagogische und Familienpsychologie an der Psychologischen Hochschule Berlin. Sie forscht unter anderem im Bereich der Prävention von schweren Gewalttaten zu Warnsignalen von Radikalisierung, Terrorismus und Amoktaten.

Dr. Kristin Göbel

Dr. Kristin Göbel ist Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Risiko- und Schutzfaktoren für zielgerichtete Gewalt sowie psychische Gesundheit im Kindes- und Jugendalter unter Verwendung personenzentrierter Analysen.

Tanita Rumpf

Tanita Rumpf ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Psychologischen Hochschule Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen polizeiliche Risikoanalysen, Kriminalprävention und Bedrohungsmanagement. Sie konzentriert sich auf die Identifikation relevanter Warnsignale schwerer Gewalttaten – insbesondere Leaking – die als Anlass für Interventionen dienen und langfristig zur Prävention beitragen können.

Zuletzt forschte sie im GaTe-Projekt („Polizeiliche Gefährdungsanalyse für Tötungsdelikte in Partnerschaften und Familien“), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wurde. Ziel des Projekts war es, relevante Merkmale von Leaking und anderen Warnsignalen für Tötungsdelikte in Partnerschaften zu identifizieren und sie in ein Risikoanalyseinstrument für relevante Stakeholder:innen zu überführen.

Das Instrument wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen Hochschule der Polizei und dem Polizeipräsidium Ravensburg entwickelt und kann in das Gefährdungsmanagement der Polizeien der Länder integriert werden.