Kongressprogramm

Spezialprävention und Künstliche Intelligenz

Mag. Dr. Nina Kaiser
Universität Graz

Abstract:
Zwischen Individualität und Homogenität: Der Vortrag widmet sich grundsätzlichen Fragen rund um die Integration von „smarten“ Assistenz- und Entscheidungssystemen für ihren potenziellen Einsatz in der Strafzumessung und Prognose. Erörtert werden dabei insbesondere (rechtliche und tatsächliche) Grundvoraussetzungen der Präventionsprüfung und Interventionsplanung sowie der mögliche Anwendungsrahmen von Künstlicher Intelligenz im Lichte aktueller gesetzlicher Entwicklungen. Dabei wird auch auf ausgewählte, internationale Praxisbeispiele Bezug genommen. Bereits zahlreiche Forschungsarbeiten haben die vorherrschende Heterogenität der Strafenpraxis belegt, die in Österreich häufig als ‚West-Ost-Gefälle‘ bezeichnet wird. Zentral im Rahmen des Vortrages wird daher insbesondere die Frage sein, ob und inwiefern eine Steigerung der Homogenität der Strafzumessungspraxis durch ein rechnerisches, künstliches, insofern generealisierendes Modell, ein „besserer“ Weg innerhalb einer individuellen Strafenpraxis sein kann.
Mag. Dr. Nina Kaiser

Nina Kaiser ist Scientist und Projektleiterin (PostDoc) am Hans Gross Zentrum für interdisziplinäre Kriminalwissenschaften (kurz: ZiK) am Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Graz. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Strafrecht, Strafverfahrensrecht und in den Kriminalwissenschaften als interdisziplinäre Disziplin. Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit der Geschichte der Kriminalwissenschaften und der Notwendigkeit der Integration bzw Vernetzung (nicht-)juristischer kriminalwissenschaftlicher Disziplinen. Zum Werdegang: Diplom- und Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften in Graz, von 2016–2020 Universitätsassistentin (Prae-Doc) am Institut für Strafrecht, Strafprozessrecht und Kriminologie der Universität Graz, Absolvierung der Gerichtspraxis im OLG-Sprengel Graz und seit Februar 2020 Doktorin der Rechtswissenschaften. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Initiative Angewandte Kriminologie (IAK) und seit 2023 als ehrenamtliche Bewährungshelferin beim Verein NEUSTART tätig.