Kongressprogramm

Bystander:innen ‚schützen‘! Die Doppelrolle von Bystandern

Luise Dinger
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)
Dr. Rebecca Gulowski
Deutsches Jugendinstitut und Universität Augsburg

Abstract:
Die Doppelrolle von Bystander:innen bei sexualisierter Peer-Gewalt und was Prävention berücksichtigen muss

Im Kontext sexualisierter Peer-Gewalt liegt der Fokus vieler Präventionsansätze auf den Betroffenen oder den Ausübenden. Übersehen wird die entscheidende Rolle von Bystander:innen, die bei Übergriffen unter Jugendlichen anwesend sind oder im Nachgang davon erfahren. Bystander:innen können Gewalt verhindern oder beenden, sie aber auch verstärken oder legitimieren. Durch die Konfrontation mit belastenden Ereignissen und Erzählungen sind Bystander:innen zudem selbst physischen und psychischen Risiken ausgesetzt. Bystander:innen können also einerseits aktiv Schutz für Betroffene bieten, andererseits selbst schutzbedürftig sein. Diese doppelte Perspektive muss man präventiv stärker berücksichtigen. Wir möchten daher die zentrale Rolle von Peers in der Dynamik sexualisierter Peer-Gewalt beleuchten. Wir wollen verdeutlichen, dass Bystander:innen sowohl potenzielle Schutzfunktionen für Betroffene übernehmen, als auch selbst Unterstützungsbedarfe entwickeln können, die in präventive Maßnahmen integriert werden sollten. Unsere Botschaft ist, nur wenn beide Dimensionen berücksichtigt werden – Bystander:innen als schützende Akteur:innen und als Schutzbedürftige – kann Prävention umfassend gelingen.
Luise Dinger
 Luise Dinger

Luise Dinger ist wissenschaftliche Referentin bei dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) mit dem Schwerpunkt Forschung zu sexualisierter Gewalt. In ihrer Promotion beschäftigt sie sich mit dem Thema der Auswirkungen finanzieller Betrugsdelikte am Beispiel des Schockanrufs. Sie ist Lehrbeauftrage für Soziale Arbeit u.a. an der Katholischen Hochschule Münster.

Dr. Rebecca Gulowski
Dr. Rebecca Gulowski

Dr. Rebecca Gulowski ist wissenschaftliche Referentin in der Fachgruppe „Familienhilfe und Kinderschutz“ am Deutschen Jugendinstitut und ist am Lehrstuhl für Friedens- und Konfliktforschung der Universität Augsburg verantwortlich für den Forschungsschwerpunkt zu sexualisierter Gewalt. Ihre zentralen Forschungsinteressen sind die Soziologie von Konflikten und Gewalt, sexualisierte Gewalt, Gewalt in der Partnerschaft, (weibliche) Täterschaft, Opferschaft und Bystander und qualitative empirische Sozialforschung. Zusätzlich hat sie eine Ausbildung als Traumafachberaterin (DeGPT) und systemische (Trauma-)Therapeutin (DGTB) und arbeitete neben der Promotion mehrere Jahre als psychosoziale Beraterin und als Anti-Gewalt- und Kompetenztrainerin (AKT).