Kongressprogramm

Extremismusprävention in Zeiten des kollektiven Narzissmus

Dr. Uwe Kemmesies
Bundeskriminalamt

Abstract:
Der Beitrag problematisiert die Herausforderungen der Extremismusprävention in Zeiten eines wieder erstarkenden kollektiven Narzissmus. Ausgangspunkt ist die Betrachtung von Radikalisierung als Ausdruck – als Symptom und nicht als Ursache – eines gestörten gesellschaftlichen Friedens. Auf Grundlage des theoretischen Konzepts vom positiven Frieden nach Galtung wird der Frage konkret nachgegangen, in welchem Bewusstsein wir Radikalisierung präventiv begegnen sollten, um den angesichts der Radikalisierung von gesellschaftlichen (Teil-)Gruppen offensichtlich gestörten gesellschaftlichen Frieden wieder herzustellen. Hierbei wird herausgearbeitet, dass die Prävention von gewaltbereiter Radikalisierung, von Extremismus – ganz entsprechend einem zumindest in der Fachwelt geteilten Common Sense – als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen ist. Die Bewältigung dieser Aufgabe aber muss bei den Subjekten beginnen bzw. wird nur dann erfolgreich umsetzbar sein, wenn die Gesellschaftsmitglieder mehrheitlich das Streben nach individueller Selbstbestimmung auch anderen zugestehen, d.h. auch Mitgliedern von Fremdgruppen. Dies zu vermitteln – so die These des Vortrags – ist eine basale, wenn nicht die zentrale Voraussetzung für eine gelingende Extremismusprävention und stellt in einer Gesellschaft, die sich auf einem kollektiven Ego-Trip befindet, eine große Herausforderung dar.
Dr. Uwe Kemmesies

Dr. Uwe Kemmesies leitete von 2005 bis März 2024 die von ihm initiierte Forschungsstelle Terrorismus/ Extremismus im Bundeskriminalamt. Nach langjährigen Forschungserfahrungen in interdisziplinären und internationalen sozialwissenschaftlich-kriminologischen Forschungskontexten initiierte er 2007 das European Expert Network on Terrorism Issues (EENeT) und 2018 den MOTRA-Projektverbund, den er seit 2019 als Wissenschaftlicher Direktor im BKA koordiniert. Seit April 2024 ist er nebenamtlich als Gründungsdirektor des Institut für angewandte Radikalisierungsforschung und Extremismusprävention (in_rex) an der Hochschule Fresenius am Campus Wiesbaden tätig.